Was kann klassische Homöpathie?

Klassische Homöopathie ist eine Heilmethode, die sich sehr von der Schulmedizin, aber auch von der Naturheilkunde unterscheidet. Es können akute sowie chronische Krankheiten mit Homöopathie  behandelt werden.

Der wesentliche Unterschied zu anderen Heilsystemen ist der, dass ein klassischer Homöopath den Menschen in seiner Ganzheit zu verstehen versucht und diese Ganzheit auch behandelt. Sein Anliegen ist also nicht, bestehende Symptome zu beseitigen oder gar zu unterdrücken. Es geht in der Homöopathie vielmehr darum, beim Patienten ein verloren gegangenes Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Krankheit mit ihren Symptomen wird hierbei  als Ausdruck dieses gestörten Gleichgewichts angesehen.

An dieser Stelle ist es wichtig zu verstehen, was in der Homöopathie mit verloren gegangenem Gleichgewicht gemeint ist: Es ist dann so, als würde der Betroffene die Welt wie durch eine gefärbte Brille wahrnehmen. Oder man könnte sagen, dass alles, was er wahrnimmt, wie von einem unrealistischen Grundgefühl unterlegt ist, beispielsweise einem Gefühl, man würde den Anforderungen der Gesellschaft nicht genügen. Eine erfolgreiche homöopathische Therapie könnte so gesehen mit dem Abnehmen dieser Brille verglichen werden.  Dass das wirklich so ist, das berichten unzählige mit homöopathischen Arzneien behandelte Menschen. Sie erzählen davon, dass nicht nur ihre Symptome verschwunden sind, sondern dass sich durch die Homöopathie auch ihr allgemeines Wohlbefinden, ihr Selbstvertrauen und ihre Einstellung zum Leben positiv verändert haben. Und das ist das eigentliche Ziel der Homöopathie, nämlich den Menschen ein Stück näher zu sich selbst zu führen.

Was ist klassische Homöopathie?

Was ich Ihnen in meiner Praxis anbiete, ist die klassische Homöopathie, wie sie von ihrem Begründer Samuel Hahnemann (1755-1834) gelehrt und später von seinen Schülern weiter entwickelt wurde.

Klassische Homöopathie bedeutet die Arbeit mit Einzelmitteln, die nach einem ausführlichen, 1 ½ bis 3 Stunden dauernden Erstgespräch (Anamnese) verabreicht werden. Diese Anamnese ist deshalb so aufwändig, weil bei der klassischen Homöopathie nicht Symptome behandelt werden, sondern der Mensch als Ganzes.

 

Wir sind heute daran gewöhnt, unseren Körper als etwas Materielles anzusehen, der, wenn er nicht mehr wie gewohnt funktioniert, “repariert“ werden muss. In der klassischen Homöopathie wird jedoch davon ausgegangen, dass Krankheiten nicht im Körper entstehen, sondern im Denken, im Erleben und im Fühlen. Samuel Hahnemann sprach von der verstimmten Lebenskraft, also etwas Geistigem, wenn von Krankheitsursachen die Rede war. Und so ist der Anspruch der klassischen Homöopathie nicht der, zu reparieren, sondern den Menschen mit seinen Krankheiten an der tiefsten Wurzel zu berühren und so zu heilen.

So verwundert es auch nicht, wenn Hahnemann Heilmittel einsetzte, die eben nicht  materiell, sondern „geistgemacht“ waren. Hier setzt ein häufig gemachter Einwand gegen die homöopathischen Heilmittel an, nämlich, dass diese Arzneien ja keinen Wirkstoff mehr enthielten. Das Wort “geistgemacht“ würde man im heutigen,  modernen Sprachgebrauch durch den Begriff: „mit Information versehen“ ersetzen. Homöopathische  Arzneien sind also Informationsträger. Und zwar trägt die jeweilige Arznei solch eine Information, die der betroffene kranke Organismus benötigt, um wieder in einen Zustand des Gleichgewichts zu gelangen, also gesund zu werden.

Der Einsatz der Arzneien folgt nach dem homöopathischen Heilgesetz: similia similibus curantur – Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt.

Homöopathische Arzneien werden an gesunden Menschen geprüft, das bedeutet, gesunde Prüfer nehmen eine Arznei ein und notieren die Veränderungen, die sich bei ihnen an Körper und Geist zeigen. Daraus entstehen die Arzneimittellehren. Die einzelnen Arzneien werden nun kranken Menschen nach dem Ähnlichkeitsprinzip verordnet.

Was ist das Besondere an der Homöopathie nach Sankaran?

In den letzten Jahren haben sich innerhalb der klassischen Homöopathie erhebliche Veränderungen zugetragen.  Nicht nur in Europa, sondern vor allem auch in Indien sind Schulen und Methoden entstanden, die die Einsatzmöglichkeiten homöopathischer Arzneien gravierend erweitert haben. Es ist hier vor allem der indische Arzt  Rajan Sankaran mit seiner „Empfindungsmethode“ zu nennen.  Er ist der Begründer der Bombayer Schule der Homöopathie, die inzwischen weitere große Lehrer, wie Dr. Chauhan, Dr. Shah, Dr. Gandhi und viele andere hervorgebracht hat, die inzwischen Rajan Sankarans Entdeckungen verfeinert und erweitert haben.

Nach Rajan Sankaran hat jeder Mensch eine individuelle Grundempfindung. Er nennt sie Vitalempfindung. Sie existiert unabhängig von den Situationen und Gefühlslagen unseres Lebens. Sie ist unter anderem dafür verantwortlich, wie und was wir träumen, welche Vorlieben und Hobbys wir haben und welchen Beruf wir ergreifen. Sie ist wie ein roter Faden, der sich durch unser gesamtes Leben zieht.  Man könnte auch sagen, wie eine Maske, hinter der unser wahres Selbst verborgen ist.

Rajan Sankaran wählt  hier den Vergleich mit einem Lied, das in uns erklingt. Er sagt, dass in jedem Menschen neben seinem menschlichen Lied noch ein anderes Lied erklingt. Diese beiden Lieder passen nicht zueinander und ergeben eine Disharmonie. Und diese Disharmonie hindert den jeweiligen Menschen daran, ein erfülltes Leben zu führen. Dieses andere Lied ist ein „nicht menschliches“ Lied und ist identisch mit der Vitalempfindung. Es entspringt  auch einem nicht menschlichen Naturreich, dem Tier-, dem Pflanzen- oder dem Mineralreich. Diesen drei Naturreichen entstammen unsere homöopathischen Arzneien. Es ist nun Sache der homöopathischen Heilkunst, dieses Lied zu hören und durch die Gabe des ihm entsprechenden Medikamentes zu heilen.

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der klassischen Homöopathie kommt aus Europa. Der Holländer Jan Scholten hat entdeckt, dass die Systematik, die sich im Periodensystem der chemischen Elemente zeigt, ebenso in diesen Elementen, als homöopathischen Medikamenten aufbereietet, auffindbar ist. Schon Constantin Hering, einer der Pioniere der Homöopathie, hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts festgestellt, dass diese Systematik im homöopathischen Arzneimittelschatz fehlt. Jan Scholten hat das endlich nachgeholt und er und die indischen Homöopathen haben in der Zwischenzeit entdeckt, dass das selbe für die Systematik in der Botanik und Zoologie gilt.